Der Osterbrunnen

Ein beliebter Osterbrauch ist das Schmücken des Osterbrunnens. Dieses feierliche Oster-Ritual kam ursprünglich aus der fränkischen Schweiz in Bayern. Welche Bedeutung steckt eigentlich dahinter?

Osterbrunnen in Franken

© dpa/ David Ebener

 

Das Schmücken des Dorfbrunnens war ein feierlicher Akt in Kleinstädten oder in Dörfern während der Osterzeit. Dabei wurde der Brunnen oder die Wasserquelle des Dorfes festlich geschmückt.

Mündlichen Überlieferungen zufolge wurde der erste Osterbrunnen im Jahr 1908 in der Gemeinde Aufseß bei Nürnberg geschmückt. Das Schmücken des Osterbrunnens ist inzwischen jedoch auch in anderen Teilen Deutschlands weit verbreitet. Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen dazu.

 

Wie wurde ein Osterbrunnen dekoriert?

Beliebte Osterdekorationen dafür waren vor allem viele bunt bemalte Ostereier, die häufig in Form einer Krone angeordnet wurden. Doch auch frisch geschlagene junge Äste, Blumen und Papierbänder in allen Regenbogenfarben wurden gern als Osterschmuck verwendet.

Vor der eigentlichen Prozedur des Schmückens war eines sehr wichtig: Die Reinigung des Brunnens. Dabei gab es bei den weiblichen und männlichen Dorfbewohnern eine Arbeitsaufteilung. In einem ersten Arbeitsschritt mussten die Knaben beim sogenannten „Brunnenfegen“ den Brunnen gründlich reinigen.

Anschließend kamen die Mädchen mit dem Osterschmuck dazu und dekorierten fleißig die Quelle. Somit wurde der Brunnen zu einer kleinen Attraktion im Dorf. Anschließend wurde um den Brunnen herum fröhlich gesungen und ausgelassen getanzt.

 

Osterbrunnen mit der bunten Eiervielfalt (Quelle: Inga1121997)

 

Wofür steht dieses Ritual?

Der Hauptgrund für das Schmücken der Dorfquelle lag womöglich darin, den Brunnen als wasserspendenden und lebenswichtigen Bestandteil einer Gemeinde zu ehren und seine Dankbarkeit dafür zu zeigen. Denn in früheren Zeiten sicherte ein gefüllter Brunnen das Überleben vieler Menschen und Tiere und war somit ein kostbares Gut. Etwas, das nicht immer als selbstverständlich anzusehen war.

 

Wo gibt es heutzutage noch Osterbrunnen?

Seit den 1980er Jahren wurde dieser Brauch auch in anderen Teilen Deutschlands immer beliebter. Auch heutzutage werden an Ostern in vielen Orten in ganz Deutschland zahlreiche Brunnen geschmückt. Seit ein paar Jahren gibt es jedoch einen starken Konkurrenzkampf zwischen den Kleinstädten, mit dem Ziel, so viele Touristen wie möglich anzulocken.

Zu den bekanntesten zählen die Osterbrunnen in der fränkischen Stadt Bieberbach, im oberpfälzischen Sulzbach-Rosenberg und in der oberschwäbischen Gemeinde Oberstadion. Wegen des außergewöhnlich schönen Osterschmucks der Brunnen haben es diese Städte sogar ins Guinness Buch der Rekorde geschafft.